Medienecho. Wie berichten argentinische Medien über den Krieg in der Ukraine

Aktualisiert: 25. März


ip noticias 24.02.2022


Mittwoch, 23. März bis Freitag, 25. März 2022

  • Página 12: Russland-Ukraine-Konflikt. Biden verspricht "Antwort" seitens Nato, sollte Russland chemische Waffen einsetzen.

  • Infobae berichtet über zwei Urkainer, die in Argentinien leben, für den Krieg gegen "die Russen" zurück in die Ukraine kehren.


  • La Nación portraitiert argentinischen Unternehmer Martín Varsavsky, der Geflüchteten einen Job geben will. "Arbeit verleiht Würde und Freiheit", so wird der Unternehmer zitiert.



  • der argentinische Unterhmehmer, wohnhaft in Madrid, will an die ukrainische Grenze reisen, um Kontakte zu Geflüchteten zu knüpfen. Er sucht Personal für seine Unternehmen "Job-Oportunities" für Geflüchtete.



Dienstag, 22. März 2022

  • US-Sicherheitsberater informiert: Nach Bidens Telefonat mit Xi Jinping keine Hinweise darauf, dass China Waffen an Russland geliefert habe.




Montag, 21. März 2022

  • Página 12 berichtet über ukrainischen Umweltschützer, der wie folgt zitiert wird: "Würden wir den russischen Gaskonzern 'Gazprom' konsequent boykottieren, wäre er Krieg heute noch zu Ende." Artikel basiert auf einer Meldung von The Independent.

  • Grisha (Gründer des ukrainischen Ablegers der Umweltorganisation Extinction Rebellion) weiter: Es sei ein Problem, einerseits Solidarität mit der Ukraine zu bekunden, während man andererseits durch Gas- und Ölexporte Geld in das Land pumpt. Die russische Gas- und Ölindustrie müssten blockiert werden.

  • Die grösste Erdgasförderunternehmen der Welt 'Gazprom' würde eine massive Marktmacht ausüben, rund 40% des europäischen Gas werde von Gazprom geliefert. Die Firma unterhält Standorte auf dem ganzen Kontinent, mehrere in Grossbritannien.



Sonntag, 20. März 2022

  • Heute in den Schlagzeilen: Selenskyi verschärfte Rhetorik, Holocaust-Vergleich vor israelischem Parlament (Knesset) und Warnung vor drittem Weltkrieg (Clarín)

  • Selenskyi setzt Schweiz unter Druck Konten russischer Oligarch*innen zu schliessen (La Nación).

  • "Auf euren Banken sind Gelder parkiert, die diesen Krieg überhaupt erst ermöglichten. Positioniert euch, damit diese Konten eingefroren werden, es wäre gut, den Oligarch*innen Ihre Privilegien zu entziehen."



Samstag, 19. März 2022

  • Flug der argentinischen Airline "Aerolineas Argentinas" mit Hilfsgütern unterwegs nach Polen.

  • Organisiert von der ukrainischen Gemeinschaft Argentiniens und den "Cascos blancos", ein Organ des argentinischen Aussenministerium bestimmt für internationale humanitäre Einsätze.

  • Material: 730 Wolldecken, 130 Feldbetten, 100 Erste-Hilfe-Boxen und weiteres Material.

  • Página 12 thematisiert die Rolle Chinas. China würde zwischen Grossmächten rotieren.

  • Die Bombardierung der chinesischen Botschaft Belgrads durch die NATO (1999) während dem Balkankrieg und die Enteignung einer chinesischen Firma in der Ukraine seien lediglich zwei Vorboten für Chinas undurchschaubare Positionierung.

  • Die USA würden ein ausführliches Drehbuch zur Hand haben, um die Toten bedingt durch ihre Angriffe im Irak, Afghanistan, Libyen, Yemen, Somalia und Lateinamerika zu rechtfertigen. Die NATO bombardierte die chinesische Botschaft und bringt Russland seit 1989 (dem Fall der Berliner Mauer, der die geopolitische Lage grundsätzlich veränderte) in Bedrängnis. Russlands Krieg sei eine unverhältnismässige Reaktion auf diese Bedrängnis und würde ihr Übriges tun.




Freitag, 18. März 2022

  • Krieg und die wirtschaftlichen Folgen für Argentinien. IWF-Debatte wird medial mit Krieg und dessen Folgen für Argentinien verknüpft.

  • Senat hat Donnerstag, 17. März dem Rückzahlungsabkommen zugestimmt.

  • IWF erkennt schwierige Lage u.a. wegen gestiegener Preise und Inflation u.a. auch wegen Krieg und korrigiert Inflationsprognose.

Thema weist gesellschaftlich sowie politisch grosses Konfliktpotential aus. Es kam bereits zu Ausschreitungen anfangs März.


"IWF anerkennt, dass der Ukraine-Krieg den Rückzahlungsplan erschwert"


"IWF hat seine Prognose aufgrund des Krieges in der Ukraine bereits korrigiert und weist auf negative Folgen hin. Der Krieg sei ein grosser Schlag für die Weltwirtschaft und würde die Erholung nach der Pandemie verlangsamen und den Preisanstieg verschnellern. Insbesondere für Lateinamerika sieht die Prognose düster aus, wo die Inflation 'signifikant' zunimmt weil die Preise für Nahrungsmittel und Strom steigen."


Intro


Wie nimmt man den Krieg in Argentinien wahr? Ein kulturell europäisch geprägtes Land, welches sich wirtschaftlich vermehrt enger an Russland und China bindet. Vizepräsidentin Cristina Kirchner verurteilt die russische Invasion, Sanktionen wurden hingegen keine erhoben. Sie verknüpft den Konflikt mit territorialen Streitigkeiten um die von Grossbritannien besetzen Islas Malvinas. Wie berichtet die argentinische Presse über den Krieg?


Ein Medienecho aus dem globalen Süden der wichtigsten argentinischen Medien.


Argentinische Medienlandschaft

"Argentiniens Medienlandschaft ist vielfältig, aber politisch polarisiert. Der von 2015 bis 2019 amtierende Präsident Mauricio Macri hat eine höhere Medienkonzentration in den Händen weniger grosser Konzerne forciert und die staatlichen Medien durch Budgetkürzungen geschwächt. Kritische Redaktionen sehen sich häufig mit Verleumdungsklagen und hohen Geldstrafen konfrontiert. Vor allem seit 2017 hat die Polizeigewalt gegen Reporter*innen bei großen Demonstrationen zugenommen. Aufgrund der Wirtschaftskrise haben seit 2016 mehrere tausend Medienschaffende ihre Arbeit verloren. Viele suchen einen Ausweg in selbstverwalteten Medienprojekten." Quelle: Reporter ohne Grenzen


Beobachtungen: Debatte über Geflüchtete kaum ein Thema, sicherlich in der grossen Distanz begründet. Argentinien ist jedoch Heimat einer beachtlich grossen ukrainischen Diaspora (305'000 Menschen). Aktuell kommen medial immer wieder Nachkommen ukrainischer Einwanderer*innen zu Wort.


Krieg / Konflikt, die meisten Medien schreiben über den Krieg. Lediglich die linksgerichtete Página 12 beschreibt den Krieg häufig als Konflikt. Anders als in Europa ist die Betonung nicht sehr oft auf "mitten in Europa", sondern auf Krieg zwischen Ukraine und Russland.


Öffentliche Wahrnehmung: Der Krieg wird medial zwar abgedeckt, im alltäglichen Leben und in Alltagsgesprächen spielt er keine enorme Rolle.


Television Publica, öffentlich-rechtlicher Rundfunk

berichtet vom "Krieg in Osteuropa" und über den "Dialog Russland-Ukraine".





Clarín, grösste Tageszeitung des Landes, neoliberale Ausrichtung, dominiert den nationalen TV- und Radiomarkt.


Clarín bezeichnet den Krieg konsequent als Krieg zwischen Russland und Ukraine (guerra Rusia-Ucrania) und berichtet im Liveticker-Format über das Geschehen.


Cancel Culture. Clarín analysiert den Krieg, respektive den Boykott russischer Künstler*innen unter dem Aspekt der Cancel Culture. Russische Künstler*innen seien doppelt betroffen weil sie einerseits von Putin zensiert und gleichzeitig vom Westen geschmäht würden.

"¿Hasta dónde es válido (y útil para el propio pueblo ucraniano) una indiscriminada persecución a todo lo que tiene origen ruso?"
"Ist der undifferenzierte Boykott von allem was russisch ist valide und nützlich für das ukrainische Volk?"


La Nación, zweitgrösste Tageszeitung. Konservative und liberalkonservative Ausrichtung.



Auch la Nación schreibt konsequent von einem Krieg. Und berichtet ebenfalls im Liveticker.


Infobae, wirtschaftsliberale Ausrichtung



Infobae schreibt von Putins Invasion in die Ukraine und berichtet über die Bombardierung eines Theater, in dem sich Zivilist*innen versteckten, in Mariupol.


Página 12, politisch eher im linken Spektrum zu verorten.


Anders als die meisten ist bei Página 12 von einem Konflikt die Rede. Neben Liveticker-Meldungen finden sich auch Essays, die philosphisch die Einordnung des Kriegs aufarbeiten und die eurozentristische Sichtweise kritisieren.


Im folgenden Meinungsbeitrag wird thematisiert welche Folgen der Krieg (oder eben direkt übersetzt: Konflikt) für Lateinamerika hat. Der Autor geht von einer Polarität in der geopolitschen Weltordnung aus (mundo multipolar) und startet von diesem Ausgangspunkt seine Analyse.



Im Artikel werden die Konsequenzen des Krieges für Lateinamerika besprochen. Höhere Inflation, gestiegene Preise für Strom, Transport, Gas und Lebensmittel weil Russland und Ukraine wichtige Exportländer für diese Märkte.

Die lateinamerikanischen Länder, die selbst Kohlenwasserstoff und Mineralien exportieren, könnten allenfalls vom gestiegenen Dollar profitieren. Zusammengefasst würden aber die negativen Folgen der Sanktionen überwiegen.


Tourismus in Kuba und der dominikanischen Republik betroffen durch die Schliessung des russischen Luftraums. Russ*innen grösste Tourist*innengruppe in diesen Ländern.


Der Krieg würde erneut das Dilemma zeigen, in welchem sich Lateinamerika befinde. Die Länder seien als Exportländer stark vom globalen Norden abhängig. Sie gingen bereits geschwächt aus der Pandemie und dieser Krieg werde sie erneut nochmals schwächen. Folge: Steigende Armut.


Perfil, überregionale bedeutende Wochenzeitung, regierungskritisch


Perfil verhöhnt argentinischen Präsidenten Alberto Fernández und fusioniert sein Gesicht mit dem von Vladimir Putin. Fokus auf die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen und Vergleich zur einer der grössten argentinischen Finanzkrisen "corralito" 2001.


Popular, grosse Boulevard Zeitung


Anders als bei den Tageszeitungen mit politischer Orientierung geht's hier um Personaliserung und den argentinischen Fussballspieler Poblete, der sich in der Ukraine befand bei Kriegsbeginn und seine Perspektive erzählt.


Crónica, grosses Boulevard-Medium


Crónica berichtet ebenfalls vom Krieg und nennt ihn nicht Konflikt. Fokussierung auf personalisierte Geschichten unter anderem auf die Meinung des Papstes, der ebenfalls Argentinier ist.